Eine Netzwerkveranstaltung bedeutet gute Gespräche, viele Gesichter und neue Kontakte. Obwohl es schon zwei, drei Jahre her ist, erinnere ich mich noch genau an einen bestimmten Abend. Eine Gesprächspartnerin zeigte mir beim Austausch der Visitenkarten stolz ihren QR-Code statt einer Karte. Damals war das noch recht neu. Ich gab ihr klassisch mein Kärtchen und scannte – mangels Alternative – ihren Kontakt.
Auf der Heimfahrt in der S‑Bahn war ich dann neugierig, ob das mit dem Scannen des Kontakts geklappt hatte. Also holte ich das Handy raus und suchte nach dem neuen Kontakt. Da mir der Name nicht mehr präsent war, musste ich alle Namen durchschauen, doch es war niemand dabei, der mir unbekannt vorkam. Der Kontakt ist also in den Tiefen meines Handys verschwunden oder ist nie dort angekommen. Wie auch immer – der Kontakt war weg. Mit einer klassischen Visitenkarte wäre mir das vermutlich nicht passiert.
Das ist übrigens nur einer der Gründe weshalb Visitenkarten für mich nach wie vor relevant sind. Welche Punkte noch für eine Visitenkarte sprechen, habe ich im Folgenden zusammengefasst. Einige davon sind vielleicht überraschend, weil sie nicht so offensichtlich sind.
1. Die Visitenkarte ist mehr als ein Informationsträger
Eine Visitenkarte spricht mehrere Sinne an und kann dadurch helfen, sich an eine Begegnung besser zu erinnern. Es passiert nämlich ganz schön viel, wenn eine Visitenkarte überreicht wird. Erst schauen wir sie an. Dabei bekommen wir auf den ersten Blick einen Eindruck davon, ob sie seriös, vertrauenswürdig, langweilig, billig, austauschbar, … wirkt. Dann lesen wir den Namen, den wir bisher nur gehört haben. Vielleicht bedanken wir uns sogar und erwähnen – mit Blick auf die Karte – den Namen nochmal.
In kurzer Zeit haben wir also den Namen gehört, gelesen und selbst ausgesprochen, was uns sehr hilft den neuen Kontakt im Kopf zu speichern.
Nebenbei fühlen wir auch die Beschaffenheit der Karte, die uns unterschwellig weitere Infos liefert. Denn auch die Materialwahl beeinflusst, wie wir eine Karte wahrnehmen und welche Eigenschaften wir damit gleichzeitig auch der Person oder dem Unternehmen zuschreiben.
Und wenn ich es auf die Spitze treiben will, dann erwähne ich noch, dass man die Karten teilweise sogar hören kann. Nämlich dann, wenn eine besondere Papieroberfläche das Bedürfnis auslöst darüber zu streichen.
Statt nur Infos zu übermitteln, spricht die Visitenkarte Menschen also auf ganz verschiedenen Ebenen an. Wenn sie dabei Emotionen auslöst, kann man fast sicher sein, dass die Begegnung nicht vergessen wird, denn mit Emotionen verknüpfte Dinge lassen sich besser merken.
2. Die Visitenkarte ist eine Einladung, keine Verpflichtung
Damit meine ich ganz konkret, dass eine Visitenkarte dem Gegenüber zeigt, dass ich Interesse daran habe, weiter in Kontakt zu bleiben. Dabei lässt die Karte offen wie die Person mit der Einladung umgehen möchte.
Im Gegensatz zum Datenaustausch per QR-Code bleibt der Kontakt erst mal auf dem Papier und zieht nicht gleich in das Handy ein. Denn sind wir mal ehrlich, wir wollen nicht alle Menschen, die wir beispielsweise auf Veranstaltungen oder Messen kennenlernen, gleich in unserem Handy haben.
Daher ist für mich die Visitenkarte ein respektvolles Angebot der Kontaktaufnahme. Wer die Vorteile eines QR-Codes zusätzlich nutzen möchte, kann ihn einfach auf die Visitenkarte drucken.
3. Die Visitenkarte repräsentiert das Unternehmen
Weiter oben habe ich das Thema schon gestreift. Die Visitenkarte übermittelt nicht nur die Infos, die man lesen kann. Sie spricht auch durch ihre Gestaltung, die idealerweise das Corporate Design des Unternehmens widerspiegelt. Sie zeigt also durch Farben, Formen, Schrift und Layout, welche Werte und Ideen ein Unternehmen vertritt.
Um authentisch zu wirken, sieht die Karte eines Anwalts beispielsweise ganz anders aus als die eines Künstlers. Würde beide ihr Layout tauschen, wäre die Wirkung eher irritierend als vertrauensbildend.
Das zeigt sehr anschaulich, wie auf kleinem Format großes zum Ausdruck kommen kann.
Nehmen wir zur Gestaltung auch die Papierwahl hinzu, um noch mehr Aussage in die Karte zu bringen. Denn auch hier werden unbewusst Signale wahrgenommen. Ein glatter Karton hat eine andere Aussage als ein raues Naturpapier.
Wer hier richtige Entscheidungen trifft, hat schon viel gesagt, ohne etwas gesagt zu haben.
4. Die Visitenkarte funktioniert ohne Technik
Das klingt zwar erst mal trivial, aber es bedeutet ganz einfach, dass dein Gegenüber keine Technik braucht. Überreichen, fertig.
Außer dass man für einen QR-Code ein Handy braucht, kann bei einer digitalen Datenübertragung nämlich auch mal etwas schiefgehen – so wie es mir passiert ist. Fehlendes Netz in Innenräumen kann ebenso Schwierigkeiten bereiten. Eine analoge Karte ist also auch ganz praktisch gedacht eine gute Idee.
Erinnerungsfunktion ganz analog
Eine Visitenkarte wird besonders nach Messetagen oder Netzwerkveranstaltungen wieder raus geholt. In dem Moment kann die Karte uns dabei helfen, uns an die Person und die Begegnung zu erinnern. Schließlich haben wir sie nicht nur gelesen, sondern auch in der Hand gehalten und vielleicht sogar über ihre Gestaltung gesprochen.
Einen digitalen Kontakt „packen“ wir hingegen nicht wieder aus und somit gerät er schon etwas in Vergessenheit. Wenn wir eine Karte dennoch nicht mehr zuordnen können, war der Kontakt wahrscheinlich nicht so dolle, aber dann wäre auch der digitale Eintrag vermutlich zur Datenleiche geworden.
5. Mein Fazit – Die Visitenkarte hat weiterhin ihren Platz
Die Visitenkarte ist nicht außer Mode – ganz im Gegenteil. Gut gemachte Karten bekommen ihre wohlverdiente Aufmerksamkeit – und damit auch die Person, die sie überreicht.
Es gibt aus meiner Sicht viele überzeugende Gründe, die für eine klassische Visitenkarte sprechen. Welche Variante am besten passt – analog oder digital –, darf natürlich jede und jeder selbst für sich entscheiden.
Unabhängig davon habe ich den Eindruck, dass so ein analoges Kärtchen in der zunehmend digitalen Welt wieder an Aufmerksamkeit und Stellenwert gewinnt. Denn digital hin oder her: Wir sind reale Wesen, die ihre Welt gerne „begreifen“ wollen.
Meine Visitenkarten haben übrigens einen Farbkern zwischen der Vorder- und Rückseite und sind dadurch besonders dick. Da hat bis jetzt jede und jeder zweimal geschaut und gefühlt – und schon hatten wir ein neues Gesprächsthema. Das ist übrigens noch ein Punkt, der für die Karte aus Papier spricht, denn wer unterhält sich schon über einen besonders schönen QR-Code?
Sind noch Fragen offen?
Wenn Sie Visitenkarten brauchen oder Sie generell Unterstützung bei der Gestaltung und Konzeption Ihrer Printmedien benötigen, freue ich mich auf Ihre Nachricht. Gemeinsam schauen wir, welche Lösungen zu Ihrem Unternehmen passen.
Zur Kontaktaufnahme nutzen Sie am besten die Möglichkeiten auf meiner Kontaktseite.


