KI ist überall präsent und wird immer mehr genutzt – Zeit- und Aufwand sparen klingt ja erstmal gut. Doch mit zunehmender Nutzung von KI treten auch die Grenzen und Schattenseiten hervor. Alle, die öfter mit KI arbeiten, kennen sicher die Situation, dass man viel Zeit reingesteckt hat und am Ende nicht das Ergebnis hatte, das man sich erhofft hat. Oder man weiß gar nicht so genau, ob das Ergebnis nun was taugt.
In diesem Blogbeitrag soll es daher darum gehen, wie kleine und mittelständische Unternehmen KI für Design sinnvoll nutzen können und wo die Grenzen liegen bzw. Gefahren lauern. Ich will erklären warum hinter gutem Design mehr steckt als ein guter Prompt. Der Leitfaden soll Selbstständigen und Unternehmen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, ob KI oder eine Person mit Designexpertise die sinnvollere Wahl ist.
1. KI für Designaufgaben: Werkzeug statt Ersatz
KI ist im Design längst angekommen. Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner nutzen KI im Alltag. Doch sie nutzen sie als Werkzeug und nicht als Ersatz. Beispielsweise ist KI in der Bildbearbeitung oder Retusche eine große Erleichterung. Wo man früher mühevoll störende Elemente weggestempelt hat, reichen heute wenige Klicks, um Elemente zu entfernen. Auch für eine erste Ideensammlung oder ein Moodboard kann KI eine Hilfe sein, um effektiver zu arbeiten.
Sobald es konkret um die Erstellung von Logos, Broschüren und Flyern geht, greifen Designerinnen und Designer aber ganz traditionell zu ihren Profi-Tools. Denn nur diese ermöglichen präzises, selbstbestimmtes Arbeiten. Zudem gibt es auch rein technische Gründe, warum eine Designsoftware genutzt werden sollte. Dazu mehr in Kapitel 5.
Designer erstellen also keine fertigen Logos oder Layouts mit KI. Sie nutzen KI gezielt im Arbeitsprozess, um Ideen schneller zu entwickeln, Varianten zu testen oder Routineaufgaben zu vereinfachen. Doch wie sieht das für kleine und mittelständische Unternehmen aus?
2. Wann kann KI Designaufgaben für KMU übernehmen
Als Laie ist es gar nicht einfach zu entscheiden, wann man für eine Designaufgabe die KI nutzen kann und wann man besser auf Expertise vertraut.
Folgende Fragen können bei der Entscheidung helfen:
Wie komplex ist die Aufgabe?
Also geht es um einen Flyer für eine interne Veranstaltung oder geht es um eine Imagebroschüre für einen Messestand. Je komplexer die Aufgabe, desto besser ist es, keine Selbstexperimente mit KI zu machen. Denn je komplexer die Aufgabe, desto mehr ist Fachwissen, Struktur und Mitdenken gefragt.
Ist die Aufgabe einmalig oder wiederkehrend?
Damit ist gemeint, ob die Möglichkeit bestehen soll, Dinge zu reproduzieren. Sobald etwas wiederholt in Varianten erstellt werden soll, wie Flyerserien, Visitenkarten, oder Prospekte, kommt KI an ihre Grenzen. Denn ihre Ergebnisse haben keine Struktur, bei der man gezielt Bilder und Texte anpassen kann.
Welchen Anforderungen muss das Design genügen?
Hier geht es um den Blick auf das Endprodukt. Eine Anforderung kann sein, dass ein Flyer eine definierte Vorgabe für Falzung und Seitenbreiten hat. Oder ein Banner hat Vorgaben zu Randabstand und Ösung, Bereiche, die keine wichtigen Infos enthalten dürfen. Es können aber auch so einfach klingende Anforderungen sein, wie die einer Datei mit Farbkanal „White“, damit das Logo weiß auf eine farbige Stofftasche gedruckt werden kann.
Hierzu eine kurze Anekdote einer Kundin:
Sie erzählte mir, dass sie mit der Farbwidergabe bei einer selbst erstellten Broschüre unzufrieden war. Während der Reklamation bei der Druckerei stellte sich allerdings heraus, dass die Druckdaten falsch angelegt waren. So führte eine vermeintliche Ersparnis zu Ärger und Frust.
Wie hoch sind die Folgen eines Fehlers?
Diese Frage bezieht sich wieder mehr auf das Aussehen. KI erstellt Ergebnisse auf Basis von Wahrscheinlichkeiten und vorhandenen Trainingsdaten. Die genauen Corporate Design Vorgaben versteht sie nicht. Sie hat auch kein Vorwissen, wie das Design in anderen Medien umgesetzt wird. Das KI Ergebnis wird den bestehenden Unternehmensauftritt ziemlich sicher nur teilweise treffen.
Wenn man ein paar Rückennummern für ein Sponsoring bei einem Sportevent braucht, ist das völlig in Ordnung. Aber schon wenn es um Stellenanzeigen geht, ist ein „ungefähr“ gefährlich.
Es ist also immer ein Abwägen, ob man KI nutzen kann oder besser auf Expertise setzt. Je geringer das Risiko, die Komplexität, der Anspruch und die Anwendungsdauer sind, desto eher kann man auch mal ein Design mit KI machen. Oder umgekehrt gedacht: Je höher die Anforderungen an Präzision und Verlässlichkeit sind, desto wichtiger wird professionelle Unterstützung.
3. Wo KI an ihre Grenzen stößt
KI liefert nur so gute Ergebnisse wie die Informationen, die sie erhält. Das klingt zunächst selbstverständlich, wird im Alltag aber oft unterschätzt.
Denn Design entsteht nicht im luftleeren Raum. Neben Farben, Schriften und Bildern spielen auch Unternehmensziele, Zielgruppen, Marketingstrategien und bestehende Gestaltungsrichtlinien eine wichtige Rolle. All diese Faktoren beeinflussen, wie ein Design aussehen und wirken soll.
Genau hier liegt eine zentrale Grenze von KI: Sie kennt den Kontext nicht. Sie kann nur mit Informationen arbeiten, die ihr zur Verfügung gestellt werden.
Hinzu kommt, dass KI keine Lösungen auf Basis von Erfahrung oder strategischen Überlegungen erstellt. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten anhand ihrer Trainingsdaten. Das führt häufig zu Ergebnissen, die auf den ersten Blick professionell wirken, sich aber nur wenig voneinander unterscheiden.
Gerade für Unternehmen, die sich klar positionieren und von Wettbewerbern abheben möchten, kann diese Austauschbarkeit zum Problem werden.
Was ich auch zu bedenken geben möchte ist, dass KI immer nett und lösungsorientiert ist. Das fühlt sich zwar gut an, aber wenn man selbst nicht so genau weiß wo es hingehen soll, nicht gerade zielführend. KI hinterfragt keine Vorgaben, sie erkennt keine Widersprüche, weist nicht auf fehlende Informationen hin und fragt nicht nach, wenn Ziele unklar formuliert sind.
Je komplexer eine Designaufgabe wird, desto wichtiger werden genau diese Fähigkeiten. Deshalb eignet sich KI besonders für klar definierte und risikoarme Aufgaben. Sobald verschiedene Anforderungen, Zielgruppen oder Kanäle berücksichtigt werden müssen, stößt sie an ihre Grenzen.
4. Warum gutes Design mehr ist als ein gutes Layout
Der eigentliche Wert der Zusammenarbeit mit Designerinnen und Designern liegt nicht nur in der Gestaltung, sondern auch im strategischen Mitdenken. Doch was heißt das genau? Hier kommen wir nämlich zur unsichtbaren Arbeit von Designerinnen und Designern.
Denn bevor nur ein einziger Satz gesetzt und ein einziges Bild platziert wurde, haben Designschaffende einiges an Arbeit hinter sich. Bevor es an die Umsetzung geht, müssen sie je nach Projekt verschiedenste Fragen klären. Was soll erreicht werden? Wer soll angesprochen werden? Welche Informationen sind wirklich wichtig? Welche Inhalte stehen zur Verfügung? Die Liste könnte ich noch lange weiterführen. Mit all diesen Infos beginnt erst mal die konzeptionelle Arbeit.
Am Beispiel eines Flyers, eine vermeintlich einfach klingende Aufgabe, wären das konkret Überlegungen wie:
- die Kernbotschaft
- die Zielgruppe
- die inhaltliche Hierarchie und Seitenaufteilung
- die Relevanz aller Inhalte
- die technischen Anforderungen
- die geplante Nutzung
- die Einordnung in den bestehenden Unternehmensauftritt
Aus meiner Erfahrung im Designalltag habe ich einen ganzen Fragenkatalog im Hinterkopf. Was erst anstrengend klingt, führt später zu schnellen und guten Ergebnissen und vermeidet unerwartete Überraschungen.
Gerade beim Flyer denken viele zunächst nur an das Layout und vergessen die spätere Einsatzsituation. Denn steht der Flyer später in einem Aufsteller, müssen dessen Maße beachtet werden. Wird der Flyer verschickt, müssen Format und Gewicht beachtet werden.
Sobald die Ausgangslage geklärt ist, machen sich Designerinnen und Designer an die Umsetzung. Da geht es überraschenderweise wieder oft um Strukturen und Ordnung und weniger um kreatives Schaffen.
Um beispielsweise die Wiedererkennung und Konsistenz über alle Medien hinweg zu gewährleisten, blicken Designschaffende immer auch auf den Zusammenhang mit bestehenden Medien:
Wie und was wurde bisher gestaltet?
Was muss ich übernehmen?
Wo habe ich gestalterische Freiheit?
Im Alltag von Unternehmen und Selbstständigen werden viele dieser Fragen verständlicherweise erst sichtbar, wenn Probleme auftreten. Dann ist es leider oft schon zu spät. In diesem Zusammenhang erkennt man ganz praktisch den Mehrwert von Designexpertise: Herausforderungen frühzeitig erkennen, bevor sie Zeit, Geld oder unnötige Korrekturschleifen verursachen.
Dieser kleine Einblick belegt: Gutes Design beginnt lange vor der eigentlichen Gestaltung.
5. Warum Drucksachen besondere Anforderungen haben
Bei Drucksachen stoßen KI-generierte Inhalte besonders schnell an ihre Grenzen. Das liegt daran, dass Druckereien präzise Produktionsdaten benötigen. Üblicherweise sind KI-generierte Dateien aber im Format jpg oder png, sprich sie entsprechen einer Bilddatei.
Hieraus ergibt sich schon die erste Schwierigkeit. Änderungen sind nicht einfach umsetzbar. Ein Bild tauschen, einen Text anpassen, eine Farbe ändern, eine Position verschieben,… alles bedeutet, dass ein neues Bild erzeugt wird. Wer schon öfter mit KI gearbeitet hat weiß, dass bei solchen Anpassungen oft noch mehr verändert wird als gewünscht wurde. Da ein KI-generiertes Layout somit keine editierbare Datei ist, sind präzise Anpassungen unmöglich.
Daran schließt sich schon das nächste Problem an. An der Datei kann nichts eingestellt werden. Farbwerte der Unternehmensfarben, Schriften, definierte Linienstärken, also Dinge, die einen konsistenten Unternehmensauftritt gewährleisten, lassen sich in professioneller Designsoftware gezielt steuern und prüfen. Bei KI-Bildern ist das nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich.
Doch kommen wir zum eigentlichen Kern. Welche Anforderungen haben Printmedien, die KI an die Grenzen bringt?
Endformat, Datenformat und Beschnitt
Die 3 Angaben hängen zusammen und werden von der Druckerei definiert. Diese millimetergenaue Einstellung ist wichtig für ein einwandfreies Druckergebnis. Die KI kann solche Einstellungen nicht oder nicht zuverlässig erstellen.
Farbmodus und Farbprofile
Druckdaten werden im 4‑Farbmodus CMYK angelegt, bestenfalls mit einem Farbprofil, das auf die Druckmaschine und das Papier abgestimmt ist. Spätestens beim Farbprofil ist die KI raus. Das gleiche gilt für den Druck von Sonderfarben, das geht nur mit professioneller Grafiksoftware.
Auflösung und Bildqualität
Die Auflösung von KI-Bildern kann überprüft werden. Ist sie ausreichend groß, reicht das zum Druck. In welcher Auflösung KI-Bilder erzeugt werden, hängt vom KI-Modell und dem Abo ab. Bei kleineren Medien sehe ich rein von der Auflösung kein Problem, sofern die Qualität stimmt. Trotzdem bietet eine Grafiksoftware eine gezielte Steuerung von Bildausschnitten, Auflösung und Skalierung, was besonders bei großformatigen Produkten sinnvoll ist.
Typografie
In professionellen Druckdaten bleiben Schriften als Vektoren erhalten. Das garantiert eine gestochen scharfe Schrift, besonders in kleinen Schriftgrößen. Bei KI-Dateien sind auch Schriften Teil des Bildes, also in Pixeln dargestellt. Das kann zu Unschärfe führen.
Besondere Druckverfahren
Sobald es Anforderungen gibt wie Prägung, Teillackierung, Formate abseits des klassischen Rechtecks, ist die KI definitiv raus.
Bevor es dann im Druck ernst wird, werden selbst professionell erstellte Druckdaten vor der Produktion noch einmal geprüft. Auch hier bietet KI derzeit keine verlässliche Unterstützung.
Zusammenfassend kann man sagen:
Druckereien benötigen keine ansprechenden Bilder, sondern präzise Produktionsdaten. Dazu gehören unter anderem korrekte Formate, Beschnittzugaben, Farbprofile und technische Einstellungen.
KI-generierte Bilder können durchaus Teil eines professionellen Layouts sein. Die Erstellung und Prüfung der Druckdaten sollte jedoch weiterhin mit professioneller Software und dem entsprechenden Fachwissen erfolgen.
6. Die richtige Entscheidung treffen:
Wann genügt KI und wann sind Expertinnen oder Experten sinnvoll?
KI kann für Design also durchaus zum Einsatz kommen, wenn man sich der Vor- und Nachteile bewusst ist und weiß wo die Grenzen und Gefahren sind. Abschließend fasse ich die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammen.
KI eignet sich, wenn:
- die Aufgabe klein und unkompliziert ist
- pragmatische Lösungen ausreichen
- Fehler geringe Auswirkungen haben
- Ideen schnell visualisiert werden sollen
- es sich um kurzfristige oder einmalige Projekte handelt
- man die Ergebnisse selbst einschätzen und beurteilen kann
Eine Designerin oder ein Designer ist sinnvoll, wenn:
- strategische Entscheidungen und Beratung gefragt sind
- Außenwirkung und Markenimage wichtig sind
- Druckprodukte entstehen
- technische Anforderungen erfüllt werden müssen
- Wiedererkennbarkeit und Konsistenz zählen
- mehrere Medien aufeinander abgestimmt werden müssen
- man gerne den Kopf für die eigenen Aufgaben frei haben möchte
Richtig eingesetzt kann KI bei einfachen, risikoarmen Aufgaben Zeit sparen. Sobald jedoch Qualität, Strategie und Verlässlichkeit gefragt sind, lohnt sich die Zusammenarbeit mit einer Designerin oder einem Designer.
Denn gutes Design entsteht nicht durch den perfekten Prompt, sondern durch die richtigen Fragen, Erfahrung und den Blick für das große Ganze.
Sind noch Fragen offen?
Die Vor- und Nachteile von Designerstellung mit KI kennen Sie nun. Falls Sie auch wissen wollen, wie eine Zusammenarbeit ablaufen kann, lesen Sie am besten meinem Blogartikel Grafikdesigner*in beauftragen: Der Projektablauf.
Wollen Sie für Ihr Designprojekt gleich ein Erstgespräch vereinbaren, dann nutzen Sie am besten die Möglichkeiten auf meiner Kontaktseite.


